Oslo (dpa/tmn) –
Lange stand Oslo im Schatten ihrer skandinavischen Schwestern Stockholm und Kopenhagen, doch inzwischen präsentiert sich die norwegische Hauptstadt im neuen Gewand: Den architektonischen Auftakt machte 2008 das ikonische Opernhaus am Fjord. Seither entstand um den marmorweißen, schillernden Bau mit begehbarem Dach der neue Stadtteil Bjørvika.
Wo zuvor Schiffscontainer und Hafenmilieu dominierten, schlendert man heute vorbei an der städtischen Deichman-Bibliothek und dem Munch-Museum (das ausschließlich Werke des norwegischen Malers Edvard Munch beheimatet), entlang der Uferpromenade durch das moderne Wohnviertel Sørenga. Unweit ragt der Design-Hochhauskomplex «Barcode» empor – als neue Skyline der Stadt.
Im Winter anzureisen, hat Vorzüge: Weniger Touristen sind vor Ort, im Januar und Februar senken Hotels die Preise spürbar. Mit Glück hat sich feiner Puderzuckerschnee über die Stadt gelegt, an klaren Tagen leuchtet der Winterhimmel pastellfarben. Nach Sonnenuntergang frönt man dem Kulturgenuss und durchstreift Oslos Museumswelten von Weltrang. Wen es doch fröstelt, der mischt sich unter die Einheimischen – und schwitzt in einer schwimmenden Sauna mit Fjordblick. Unsere Tipps:
Das Osloer Rathaus – Bekannt durch den Friedensnobelpreis
An der Bucht Pipervika dominiert ein wuchtig-kantiger Backsteinbau: das in den 1930er-Jahren erbaute und 1950 eingeweihte Osloer Rathaus. In seinen beiden über 60 Meter hohen Türmen arbeiten Volksvertreter und Verwaltung. Rings um das Rathaus schmücken Skulpturen und Reliefs die roten Ziegelfassaden.
Tritt man – nach kurzem Sicherheitscheck – durch den Besuchereingang, eröffnet sich eine wahre Pracht: Ein marmorner Boden und großformatige Wandgemälde der Künstler Henrik Sørensen und Alf Rolfsen schmücken die fast kathedralenartige Haupthalle.
Alljährlich am 10. Dezember wird hier der Friedensnobelpreis verliehen. Die breite Marmortreppe hinaufgeschritten, staunt man weiter: etwa über den Munch-Saal, die Festivalgalerie oder den glanzvollen Bankettsaal. Portraits, Freskenkunst und Wandteppiche zieren die Säle. Licht flutet durch bodentiefe Fenster, aus denen Besucher erhabene Ausblicke auf den Fjord genießen. Der Besuch ist kostenlos.
Infos: oslo.kommune.no/english/oslo-city-hall/opening-hours
Inselhopping – Friluftsliv im Fjord von Oslo
Hovedøya, Bleikøya, Gressholmen, Lindøya und Nakkholmen – so heißen die idyllischen Inselchen vor den Toren der Stadt. Um Oslos Fjord-Archipel zu erleben, können Reisende moderne Elektro-Ausflugsfähren entern – oder aber zu einem Drittel des Preises auf die öffentliche Fähre B1 im zentralen Stadtviertel Aker Brygge hüpfen. Angesagt ist jedenfalls «Friluftsliv» – das Leben unter freiem Himmel.
Man kann an jeder beliebigen Insel von Bord gehen, sie zu Fuß erkunden und stündlich mit der nächsten Fähre weiterschippern. Die Eilande sind gesprenkelt mit bunten Sommerhäuschen, gesäumt von Buchten und Stränden.
Wo sich im Sommer die Besucher drängen, hat man die Kleinode im Winter fast für sich allein. Während auf der größten Insel Hovedøya alte Klosterruinen und Befestigungsanlagen zu besichtigen sind, findet man auf Gressholmen – verbunden mit den Halbinseln Rambergøya und Heggholmen – Naturschutzgebiete und ein historisches Leuchtfeuer vor.
Infos: Winterfahrplan und Tickets unter ruter.no/en/about-our-tickets/tourist-ticket. Mit dem «Oslo Pass» fährt man kostenlos.
Vigeland Skulpturenpark – Superlativ in Stein
Aus hartem Granit gehauen oder aus Bronze gegossen, wirken die sich umarmenden oder miteinander spielenden menschlichen Skulpturen quicklebendig. Ihre Nacktheit lässt sie zeitlos erscheinen. Sei es das «Zornige Kind», der Vater mir vier Kindern oder die 121 ineinander verschlungenen Menschen im 14 Meter emporragenden Granit-Obelisk.
Der norwegische Bildhauer Gustav Vigeland (1869–1943) hat sich mit über 200 überlebensgroßen Skulpturen ein Denkmal erschaffen, das jährlich Hunderttausende Besucher anzieht und zum Staunen und Schmunzeln bringt. Die über 850 Meter lange Vigeland-Anlage im Frognerpark gilt als größter, von nur einem Künstler erschaffener Skulpturenpark der Welt. Besichtigen kann man ihn gratis rund um die Uhr. Einige der ursprünglichen Gipsmodelle sowie zahlreiche Skulpturen und Zeichnungen zeigt das angrenzende Vigeland-Museum.
Infos: Der Museumseintritt ist mit dem «Oslo Pass» frei, kostet ansonsten umgerechnet regulär 11 Euro (vigeland.museum.no/en/vigelandpark).
Shoppen und schlemmen – Unter Hipstern in Grünerløkka
Das alternative Grünerløkka gilt als eines der angesagtesten Viertel Oslos. In diesem bunten Quartier am Fluss Akerselva durchkämmen Vintage-Fans Second-Hand-Läden, während Kaffeeliebhaber in die legendäre Espressobar «Tim Wendelboe» einkehren.
Knurrt der Magen, empfiehlt sich ein Besuch der Markthalle – Mathallen. In den Gemäuern der historischen Eisengießerei schlemmt man sich auf verschiedenen Ebenen rund um den Globus. Von koreanischem Streetfood über italienische Pasta bis hin zu norwegischen Spezialitäten wie Fisch von «Vulkanfisk» ist die Auswahl an über 30 Ständen vielfältig.
Und: Im Vergleich zu klassischen Restaurants bekommt man ein Gericht in der Mathallen meist günstiger, für rund 13 bis 20 Euro. Zu Buche schlagen indes alkoholische Getränke. Ein Bier gibt es ab zehn Euro, ein Glas Wein ab etwa 13 Euro.
Infos: mathallenoslo.no; visitoslo.com/de/aktivitaten-und-attraktionen/stadtteile/grunerlokka
Oslos Saunakultur – Schwitzen auf dem Floß
Alles begann mit «Måken», der Möwe, einem aus Treibholz zusammengezimmerten Saunafloß. Hierzu taten sich Saunaenthusiasten des Eisbadeklubs mit Diplomaten des Außenministeriums zusammen und gründeten 2016 den gemeinnützigen Saunaverband «Oslo Badstuforening». Die Idee: bezahlbare Saunen für alle.
Zehn Jahre später schwimmen im Stadtviertel Bjørvika bereits zwei Saunadörfer. Aus den sechs individuellen Schwitzhütten an der Hafenkai-Straße Langkaia überblickt man den Fjord und das Opernhaus. Am gegenüberliegenden Standort Sukkerbiten nahe des Munch-Museums haben Einheimische wie Touristen die Wahl zwischen 13 Saunen.
Neben der Pionierin «Måken» treibt hier der Neuzugang «Trosten» – die 2024 eröffnete, erste barrierefreie Sauna der Stadt. In welcher Schwitzhütte man auch vor sich hin glüht, nach der Abkühlung im eisigen Fjord sind alle Lebensgeister geweckt. Besonders schön ist die Stimmung bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang.
Infos: 1,5 Stunden in der Sauna kosten ca. 24 Euro (oslobadstuforening.no)
Links, Tipps, Praktisches:
Reiseziel: Norwegens Hauptstadt Oslo liegt im Südosten des Landes am Oslofjord, der zum Skagerrak und damit der Nordsee gehört.
Anreise: über den Flughafen Oslo Gardermoen, weiter per Bahn zur Oslo Sentralstasjon (vy.no/en). Alternative Anreise per Oslo-Fähre ab Kiel (colorline.de).
Einreise: Ein gültiger Personalausweis (oder Reisepass) genügt.
Unterkunft: Oslo bietet eine große Bandbreite an Hotels und Hostels; Januar und Februar gelten als die preisgünstigsten Monate.
Währung: 1 Euro entspricht 10,71 Kronen (Stand: Oktober 2026). Gängige Zahlungsmethoden: EC- oder Kreditkarten, Bargeld ist gängig.
Spartipp: Der «Oslo Pass» bietet freien Eintritt in über 30 Museen und Sehenswürdigkeiten und weitere Vergünstigungen wie die kostenlose Nutzung des ÖPNV (Zone 1, 2, 3, 4V und 4N; ruter.no) sowie der Nahverkehrszüge vom und zum Flughafen Gardermoen (vy.de); Kosten regulär ab 54 Euro für 24 Stunden (Kinder: 27 Euro); gibt es auch für 48 oder 72 Stunden. Der Kauf kann lohnen (visitoslo.com/de/aktivitaten-und-attraktionen/oslo-pass).
Weitere Infos: visitoslo.com